Samstag, 3. Juni 2017

Besuch aus Belnend

Mist, ich war spät dran und mein Herr hatte sein Training mit dem Brauereikrieger bereits beendet, als ich an der Wiese hinter dem Hof eintraf. „Wo warst du solange, Arya?“ stellte er mich zur Rede, war aber offensichtlich nicht schlecht gelaunt, da er gleichzeitig sanft durch meine Haare kraulte. Naja, seine Laune sollte sich noch ändern.

Ich war nämlich wegen seiner Kleidung für dieses Thing im Norden unterwegs gewesen und das hatte wegen der vergeblichen Suche nach einem Händler etwas länger gedauert. „Was ist daran denn so schwer, Arya, dass du mein Training verpasst?“ fragte er nun leicht ungehalten. 

„Nichts wäre schwer, wenn wir einen Händler hätten, der nicht dauerhaft auf Reisen ist oder eine Schneiderin… aus einem Sa Tarna Sack will ich dir nämlich nichts schneidern, mein Herr“, versuchte ich mein spätes Eintreffen zu erklären. „Arya, höre ich da Kritik? Wenn du mir etwas aus einem Sa Tarna Sack nähst, krieg ich einen roten Kopf!“ Selbstverständlich lag es mir gänzlich fern, irgendetwas kritisieren zu wollen, aber ich bin eben immer ehrlich und vor allem realistisch. „Ein roter Kopf wäre kontraproduktiv mein Herr, denn es geht dir doch darum, im Norden KEIN Rot zu zeigen!“ 

Oh Mist, war der Brauereikrieger mit dem falschen Fuß zuerst aus seinen Fellen gestiegen oder einer seiner Kessel übergekocht? Mit bedrohlich angeschwollener Stirnader warnte er: „Sag jetzt nichts gegen meine Haare, Arya!“ Um Schadensbegrenzung bemüht beteuerte ich schnell, wie toll ich seine roten Haare finde, während mein Herr ankündigte: „Wenn ich einen roten Kopf bekomme, dann bekommst du ein rotes Hinterteil, Arya… das nennt sich dann rote Verlagerung. Aber ich gehe davon aus, dass du fleißig dabei bist, meine Wünsche zu erfüllen und unserem Nordausflug nichts im Wege steht.“

Ich muss so konzentriert auf das Gespräch mit meinem Herrn und dem Brauer und ganz besonders auf das Verhindern unangenehmer Folgen gewesen sein, das ich das Herannahen von zwei Besuchern überhaupt nicht bemerkt hatte… sie standen nämlich so schlagartig auf der Wiese, als wären sie von einem Tarn gefallen. Mein Blick nach oben, zeigte allerdings weit und breit keinen dieser großen Vögel. Auch mein Herr meinte bei der Begrüßung des belnendschen Kriegers und seiner Gefährtin übrigens erstaunt: „Tal… ihr hattet es aber eilig zu uns zu kommen!“ 

Der Rarius überbrachte der roten Kaste von Jorts Fähre extra persönlich die Information von einem geplanten Überfall auf ein Taluna-Camp... man muss leider mit Verrätern rechnen, wenn man Boten einsetzt... und hoffte natürlich auf Unterstützung. Anscheinend hatten diese Waldfrauen Belnend mal überfallen, Tribut gefordert und sogar zu ihrem Außenposten erklärt, was man nicht auf sich sitzen lassen wollte. So wirklich logisch und nachvollziehbar war mich allerdings nicht, warum mit Bogen bewaffnete Wilde eine befestigte Stadt mit dicken Stadtmauern angreifen sollten. 

Aber ok, ich muss nicht alles verstehen und Belnend war schon immer sehr… naja, speziell eben… der Kommandant hat bekanntlich eine besondere Vorliebe für regelmäßigen Waldurlaub. Außerdem wurde diese Vergeltungsaktion vermutlich erforderlich, weil Belnend sonst die Söldner wieder weglaufen. Diese Sorte Krieger gehört meistens ja keinem Heimstein an, sondern findet sich kurzfristig immer nur dort ein, wo es nach Krieg riecht und gekämpft wird. Ansonsten reisen sie nämlich weiter, da Alltagsleben in Frieden offensichtlich zu langweilig ist… naja, jedem das Seine.


Herumstehen macht Durst und da es sich im Sitzen besser und vor allem bequemer trinkt, verlagerte sich die Gruppe schließlich an den Hafen vor die Taverne… der Ale verliebte Brauer bestellte übrigens mit dem Hinweis: „Heute ausnahmsweise mal ein Ale, Arya!“ Wegen seiner Defizite mit dem Schwert, fand der belnendsche Krieger die regelmäßig jede Hand in Jorts Fähre stattfindenden Waffentrainings interessant und nahm erfreut die Einladung meines Herrn zur Teilnahme an. Es wurden noch einige andere rotkastige Angelegenheiten besprochen und Neuigkeiten ausgetauscht.

Die Information über den Wiederaufbau von Kasra sorgte übrigens für reichlich Erstaunen bei meinem Herrn und dem Brauereikrieger, die Erinnerungen an die stinkende Fischsuppe allerdings bei allen Anwesenden auch für jede Menge Ekel.

Trotzdem will der Brauer gelegentlich wohl mal hin und mein Herr bot schmunzelnd seine Begleitung an: „Ich zuckel mit… solltest du mit deinem Bosk-Karren aber stecken bleiben, ich schiebe nicht!“ Na toll… ich ahne schon, wer dann sicher helfen muss, Klaus-Bärbel mag nämlich keine Steigungen.

Bevor die Besucher sich auf den Heimweg nach Belnend machten, lernte ich übrigens wieder etwas Neues… „Sultana“ ist nämlich nur ein Titel, der nichts mit getrockneten Trauben zu tun hat, sondern einfach nur so von der ehemaligen Gefährtin und Erbin des stinkreichen Besitzers einer Insel namens Lyros geführt wird, wo es Gold, Edelsteinminen und auch Salz gab.

Die Gefährtenschaft des belnendschen Kriegers mit dieser Frau war also ein mehr als lukratives Geschäft, hat aber trotz Reichtum mit dem Besitz von zwei Häusern offensichtlich den großen Nachteil, dass sämtliche Kleiderschränke wegen der vielen Roben dieser Sultana aus den Nähten platzen.

Jorts Fähre war an diesem Tag Ausflugsziel noch für einen weiteren Belnender. Leider traf der belnendsche Heiler und Händler von Kräutern sowie selbst hergestellter Medizin jedoch erst zu sehr später Ahn ein, als es meinen Herrn schon fast nach Hause in die Felle zog.

Wobei der Besucher sowieso Pech hatte, da die Gnädigste seit einiger Zeit wegen irgendwelcher grünkastigen Angelegenheiten auf Reisen ist, er mit seinen Kräutern und Medizinprodukten also eh kein Geschäft machen konnte. Ein erster Kontakt war allerdings hergestellt und der Name des Herrn ein weiterer auf meiner Merkliste, denn mein Herr hat es nun mal nicht so mit Namen. ;-)

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