Montag, 19. Juni 2017

Fasslieferung mit Waldspaziergang

Selbstverständlich hatte ich mich rechtzeitig ums Verladen der vielen Fässer jortsschen Kalanas gekümmert, die von einem Krieger aus Belnend bestellt worden waren und nun endlich geliefert werden sollten. 

„Hast du auch die Laufsandalen an, Arya, wir gehen am Handelsposten nämlich noch in den Wald. Ich will nach Wilden suchen, die sich Wakanda nennen… da muss man im Notfall schnell laufen können“, eröffnete mein Herr mir am Hafen vor unserer Abreise. Der Brauer wies zwar darauf hin, dass sowas auch ins Auge gehen könnte, doch mein Herr tat jegliche Befürchtungen ab: „Ohne Risiko kein Gewinn, aber wir erkunden erst mal, ob wir ihr Camp finden. Arya, wir hinterlassen am Aushang-Brett für den Fall der Fälle mal eine Nachricht.“


Die Reise zum Handelsposten, wo der Kalana-Käufer die Fässer zwischengelagert haben wollte, verlief ohne irgendwelche Zwischenfälle und das Ausladen klappte ebenfalls bestens. Dem dortigen Lagermeister war die Lieferung anscheinend angekündigt worden und entsprechende Lagerkapazitäten vorhanden, sodass dem geplanten Spaziergang in den Urwald nichts mehr im Wege stand. Dank der Spürnase meines Herrn und des Brauereikriegers, war bald ein Hinweisschild auf das Lager der Talunas gefunden, das Camp wirkte allerdings ausgestorben. „Was meinst du… wollen wir Arya mal über die Befestigungen helfen, indem wir sie drüber werfen?“ schlug mein Herr dem Brauer vor, während ich es vorzog, lieber erst mal die Palisaden entlang zu schleichen.


Auf den vorgeschlagenen Freiflug legte ich nämlich keinen gesteigerten Wert und hatte tatsächlich Glück. Ich konnte mich unter einigen dicken Baumwurzeln hindurch quetschen und einen Blick in das tatsächlich verlassene Lager werfen.

„Mein Herr, um die Ecke herum bei dem dicken Baum… dort gibt es einen Spalt, durch den man sich durchquetschen kann!“ informierte ich ihn, sodass er zusammen mit dem Brauereikrieger das Lager genauer inspizieren konnte. Natürlich schlichen wir sehr leise und äußerst vorsichtig zwischen den Zelten herum, was sich als weise Voraussicht herausstellen sollte, als wir plötzlich doch noch eine offensichtlich schlafende Wache entdeckten. Genauso lautlos wie wir hinein gekommen waren, machten wir uns lieber wieder aus dem Staub.


Leider kam mein Herr auf der Rückreise noch einmal auf die Lieferung der Kalana-Fässer zu sprechen und wollte wissen, ob ich eine Quittung erhalten hatte. Das war natürlich nicht der Fall, denn ich hatte die Fässer doch nicht bei einem Schreiber einlagern lassen, sondern bei einem Lagerverwalter, der nicht den Eindruck erweckte, lesen und schreiben zu können. „Arya, wenn wir kein Geld kriegen, dann bekomme ich gaaaaaaaaaaanz schlechte Laune und lass mir etwas sehr Nettes für dich einfallen“, kündigte er leider an und kam später zuhause auf die Idee, mich in den Käfig am Hafen zu sperren: „Ausziehen und rein mit dir Arya!“


Mein Käfigaufenthalt war zum Glück nur kurz, denn der Brauereikrieger störte sich daran. Auf das knarzende Ding deutend, das nach einem Schubs meines Herrn quietschend leicht hin und her schwang, äußerte er empört: „Herrje was für ein Krach! Sag mal, soll Arya heute da drin übernachten? Das Geschepper ist nicht schön in der Nacht… da leidet das Ale!“ „Hmm na gut… raus mit dir, Arya, wir trinken vor der Taverne noch etwas.“ Selbstverständlich beeilte ich mich, zügig meinem Herrn seinen gewünschten Paga zu bringen, denn er hatte seinen strengen Tag, wie der schöne rothaarige Krieger zuvor gerade sehr treffend bemerkte. „Arya, wenn der Brauer sein Getränk hat, zu mir zurück und die Nasenspitze auf den Boden!“


Selbstverständlich kam ich diesem Befehl umgehend nach und gab keinen Muckser von mir, als ich spürte, wie mein Herr seinen Fuß auf meinem Rücken abstellte. Meine Haltung währte allerdings nicht lange, da er mit dem Eintreffen von zwei Besuchern aus Belnend seine Sitzhaltung erneut änderte und seinen Fuß wieder herunter nahm: „Arya, Kopf hoch.“ Es waren der Krieger, der die 24 Fässer Kalana geliefert bekommen hatte und sie nun bezahlen wollte und seine Gefährtin, die eine Schriftrolle mit Einladung zu Feierlichkeiten in der Oase der 4 Palmen überreichte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen