Dienstag, 6. Juni 2017

Fest des Nordens (1)

Eigentlich war verabredet worden, dass mein Herr und der Krieger mit Brauerei die belnendschen Rarii auf ihrem Waldausflug begleiten und bei ihrem Vergeltungsschlag gegen irgendein Taluna-Camp unterstützen.

Doch leider zog vollkommen unerwartet plötzlich schrecklich dichter Nebel auf, sodass der Schiffskapitän wegen fehlender Sicht das Auslaufen verweigerte. Mir kam dies nicht wirklich ungelegen, da ich am Oberteil meines Herrn noch ein paar Kleinigkeiten zu nähen hatte, das er als getarnter Südler beim Thing im Norden tragen wollte, um nicht aufzufallen.

Am Tag unserer Abreise in den Norden brachen wir zeitig zur Brauerei auf, die jedoch ausgestorben war und auch auf mein lautes Klopfen öffnete niemand, obwohl der rothaarige Brauereibesitzer am Vortag noch sein Interesse am Besuch des Things kundgetan hatte. „Was ist Arya, hörst du das typische Schnarchen, wenn jemand auf seinem Gold schläft?“ erkundigte sich mein Herr nach einer Weile, während ich lauschend sogar die Luft anhielt. Doch zu hören war absolut nichts… der Goldschlaf des Brauereikriegers also vermutlich besonders tief. 


„Hmm… gut, wir sägen jetzt einfach einigen Bosk ihre Hörner ab und nehmen etwas Honig mit, Arya“, entschied mein Herr und lief Richtung Hof. Doch auch dort war niemand zu sehen und es standen leider auch keine Honigtöpfe herum. 

Die Bienenstöcke anzufassen konnte ich meinem Herrn zum Glück ausreden, wurde also nicht gestochen und auch vom Absägen der Boskhörner nahm er Abstand. Den leckeren Schinkenspeck, der förmlich darum flehte mitgenommen zu werden, fand er allerdings als zusätzlichen Reiseproviant bestens geeignet. 

Da mein Herr sich selbstverständlich nicht einfach so am Eigentum eines Heimsteinangehörigen vergreift, übergab er mir natürlich noch ein paar Münzen, die ich dem Bauern vor die Haustür legte. 

Mich schließlich genau musternd, ließ er als nächstes leider seinen Unmut über meine Kleidung heraus und besonders darüber, dass es mir nicht gelungen war, am Hafen einen Sirik zu kaufen: „So, so, Arya… dann streck deine Hände vor!“ Kaum diesem Befehl nachgekommen, packte er meine Handgelenke, um sie eng zusammenzuketten und sie schließlich mit einer längeren Kette aus der Schmiede noch zusätzlich mit meinen gefesselten Knöcheln zu verbinden. 

Nun offensichtlich einigermaßen zufrieden mit meinem Aussehen, erkundigte mein Herr sich in Sachen Tarnung: „Wenn im Norden irgendwer fragen sollte… aus welcher Stadt kommen wir, Arya?“

„Wir könnten sagen aus Kassau, mein Herr… stimmt doch irgendwie, weil du dort mal gelebt hast und ich nach dem Feldzug gegen Lydius auch eine kurze Zeit… es wäre also nicht gelogen.“ 

Mein Herr war einverstanden und ergänzte noch: „Arya, du wirst während der Reise meinen Namen nicht sagen und ich nenne dich Dummchen.“ Außer einem schnellen „ja mein Herr“ erübrigte sich weiteres Antworten natürlich, da ich meinen Herrn sowieso nicht beim Namen nenne. Im Norden angekommen wurde mir allerdings schnell klar… er hätte vorher lieber noch erwähnen sollen, dass ich ihn mit „mein Jarl“ anreden muss, dann hätte ich unterwegs schon mal üben können. 

„Hast du den Flug mit dem Tarn und die Aussicht genossen, Dummchen?“ erkundigte sich mein Jarl nach unserer Landung und nach meiner begeisterten Antwort legte er fest: „Gut, Dummchen… auf dem Rückflug werde ich dir die Augen verbinden.“ Ich schluckte zwar, doch standen mir keine Widerworte zu, sodass ich leise antwortete: „Danke mein Herr... ähmmm... mein Jarl... ich bin mir sicher, der Blindflug zurück ohne wird bestimmt genauso wundervoll, wie der Hinflug mit Sicht aus luftigen Höhen.“ 

Danach bemühte ich mich, ihn wirklich nur noch mit „mein Jarl“ anzusprechen, was echt oberschwer war. Das Thing war bei unserem Eintreffen übrigens bereits in vollem Gange und von weitem schon war das Musikantengedudel des Barden aus Kafal zu hören, der eigentlich in ganz Gor auf jedem Fest anzutreffen ist. 

Nachdem mein Herr über sein Inkognito und die Herkunft aus Kassau sowie meine Namensänderung informiert hatte und ich sämtliches echte und schadenfrohe Mitleid an mir abprallen ließ, zog er mich allerdings weiter und ignorierte einen merkwürdigen Nordmann, der irgendetwas über "Sandwurm" von sich gab.

Es war sicher nicht verkehrt, sich einen Überblick über das Lager und die vielen aufgebauten Zelte zu verschaffen, an deren Eingängen Flaggen mit den unterschiedlichsten Wappen hingen. Als Dummchen tat ich später am Lagerfeuer natürlich so, als habe ich keine Ahnung, was diese Lappen bedeuten und versuchte meinem Namen damit einige Ehre zu machen. Vorher ging es aber erst einmal auf die Tribüne, von der man den Axt-Wettkämpfen sehr gut zuschauen konnte, in denen die Nordler gefährlich auf einander einschlugen, bis schließlich recht bald auch schon das Finale ausgerufen wurde. 


Sonderlich viel los war auf dem Thing zum Glück nicht... wobei wir auch erst später eingetroffen waren, als es schon voll in Gange war. Da ich solche Massenveranstaltungen nicht so besonders mag, fand ich das ganz schön. Mein Jarl tarnte sich übrigens nicht nur mit seiner Kleidung, sondern trank sogar Met. Allerdings goss er dieses nordische Zeug auf ex in sich hinein, sodass ich mich stumm fragte, ob er den Geschmack möglichst schnell wieder loswerden wollte. Trotz seiner Kleidung erkannte ihn erstaunlicherweise der breit grinsende oberste Jarl der Veranstaltung: „Na, was sehe ich denn da? Der Kommandant von Jorts wagt sich zum Fest des Nordens? Willkommen… der Friede des Things sei dir gewiss, aber ruh dich nur nicht zu sehr aus…“

Der Kerl ergänzte noch, wie weit weg sich das Camp für die Leute aus dem Süden befindet, gestand nach dem Hinweis meines Jarls auf Kassau dann aber ein, dass er nicht so gut sah und korrigierte sich: „Bei Thor… entschuldige, das Licht ist dumm, ich habe dich tatsächlich verwechselt… dann willkommen, Krieger aus Kassau!“ Weiter um sein Inkognito bemüht, erwähnte mein Jarl zusätzlich noch die weite Anreise für jemanden aus Jorts Fähre und erfuhr, andere Besucher hatten einen viel weiteren Weg auf sich genommen: „Gestern war sogar der Emir der Oase der 4 Palmen hier, merkte aber rasch, dass dies ein Fest des Nordens ist………“

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