Mittwoch, 21. Juni 2017

Handelsposten, Waldspaziergang und zurück

Mein Herr unternahm einen weiteren Waldspaziergang zu den Wilden in Sachen „mal nett daran erinnern“, dass die En ihm noch ein Geschäft schuldig ist. Diesmal durfte ich jedoch nicht mit, sondern blieb am Handelsposten, wo aber nichts los war. Bei seiner Rückkehr tauchte eine Reiterin mit ihrem gefährlich aussehenden Kailla auf, das sofort anfing zu knurren, als ich mich näherte. Ich zog es daher vor, lieber einen größeren Sicherheitsabstand einzuhalten, stand aber zum Glück wohl nicht auf dem Speiseplan des Viechs. Nach ein paar beruhigenden Worten seiner Besitzerin hörte es nämlich mit dem unwilligen Schnaufen auf. Anscheinend war es inzwischen neugierig geworden und schnupperte mit nach vorne gespitzten Ohren in meine Richtung.

Mist, ich hatte mich getäuscht, das Kailla muss doch hungrig gewesen sein, denn plötzlich schnappte es nach dem zerknitterten Dokument, das die Freie aus ihrer Tasche gezogen hatte und fraß es auf. Es war anscheinend das Programm mit irgendwelchen Festivitäten in der Oase der 4 Palmen gewesen, für das mein Herr sich interessiert hatte, der nun feststellte: „Mir scheint, dein Reittier hat Hunger… aber meine Kajira gibt es nicht zum Nachtisch. Arya, geh mal gucken, ob du mir hier irgendwo einen Stehpaga besorgen kannst.“ Mir kam das natürlich sehr gelegen, falls das Viech die Sache mit dem Nachtisch womöglich anders sah.

Mangels Tavernenwirt in dieser ziemlich ausgestorbenen Ecke Gors, gestaltete sich meine Suche nach dem gewünschten Getränk etwas schwieriger, vor allem nach einem großen Pagabecher. Dabei war ich so konzentriert, dass ich die grün gekleidete Frau nicht bemerkte, die dort an einem der Tische saß. Das war mir wirklich sehr unangenehm, wurde von der Freien aber nicht übel genommen, die übrigens vor etlichen Märkten eine ganze Weile in Jorts Fähre gewohnt und sich um die Gesundheit der Bürger gekümmert hatte, einschließlich eines abgefrorenen Zeh. Ohne Schleier und deutlich dünner als seinerzeit, erkannte ich die Grüne allerdings erst, als sie von meinem Herrn sprach.

Mein Herr war bei meiner Rückkehr mit dem Stehaga übrigens immer noch im Gespräch mit der Kailla-Reiterin, die er inzwischen anscheinend davon zu überzeugen versuchte, welche Ehre es für sie wäre, bei einem Rennen seinen Wagen zu ziehen. Er versuchte es mit Schmeicheln „…du siehst flink aus!“ und mit Höflichkeit „…und wenn ich dich nett frage?“ Doch alles nützte nichts, das Weib lehnte ab und deutete auf mich als geeignete Wagenzieherin. Entsprechend ungut hörte sich sein Brummen an, als er nun wissen wollte, warum ich für sein Getränk so lange gebraucht hatte. Nachdem ich ihm von der Grünen erzählt hatte, schickte er mich allerdings zurück zur Taverne und tauchte wenig später ebenfalls dort auf, nachdem die Reiterin fort war.

„Arya, das war definitiv kein Paga aus Jorts Fähre… er war nicht gut, aber auch nicht ungenießbar. Schau mal, ob es hier Kalana gibt und probier einen Schluck“, brummte mein Herr und drückte mir den Becher in die Hand, kaum dass er in der Taverne war. „Sklaven und Alkohol, das geht nie gut“, kommentierte die Grüne seinen Befehl, während ich auf die unzähligen Bothas mit Kalana im Regal deutete, allerdings keine Preisliste entdeckte. Den Hinweis der Freien nahm mein Herr natürlich zum Anlass zu erwähnen, wie schlecht mir meine Ale Verkostung bekommen war und die Grüne bestätigte: „Auf eine Kajira, die keine Alkoholtoleranz hat, kann ein Krug Ale verheerende Auswirkungen haben.“ Danach ließ mein Herr mich übrigens nicht mehr probieren.


Er nippte selbst am Kalana… angeblich, weil er das sowieso besser kann als ich. Sein großer Probeschluck direkt aus der Botha fiel offensichtlich zufriedenstellend aus und der Becher wurde nicht mehr benötigt. „Ich denke, ich trinke direkt aus der Botha… das ist einfacherer.“ Na klar, vor allem lässt direkt schlürfen, ohne auf das Nachschenken zu warten, auch nichts überschwappen. Da die Herrin keinen Getränkewunsch hatte, gab es für mich nichts weiter zu tun, als neben meinen Herrn zu knien und seine Nähe genießend dem Gespräch der beiden zu lauschen über „Wie geht es dir? Lebst du nun hier? Ich kann nicht klagen. Ich bin froh, dass du einen Platz gefunden hast, der dir gefällt.“

Nachdem eine Menge gemeinsamer Erinnerungen ausgetauscht worden waren, die Botha inzwischen leer und das zentrale Feuer längst untergegangen, verabschiedete sich mein Herr von der Grünen mit einer Einladung: „Du kannst uns ja mal besuchen, wenn dir langweilig sein sollte… dann gebe ich dir eine Boskmilch aus. Eine Reise bildet, sagt man das nicht so?“ 

Bevor es zum Anleger ging, wo er mich kurzerhand über seine Schulter warf und an Bord des Schiffes stampfte, das uns wohlbehalten und ohne irgendwelche Zwischenfälle nach Hause brachte, kramte er selbstverständlich noch einige Kupfermünzen heraus. Er händigte sie mir mit dem Hinweis aus, eine fehlende Preisliste bedeutet vermutlich, jeder zahlt so viel, wie ihm sein Getränk wert ist, denn mein Herr prellt selbstverständlich nirgendwo die Zeche.

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