Freitag, 16. Juni 2017

Kopfwäsche

ARGS… was war DAS??? Erschrocken zuckte ich zusammen und richtete mich blinzelnd auf. Irgendetwas Nasses lief mir aus den Haaren übers Gesicht. Das registrierte ich allerdings nur zweitrangig, da heftiges Kopfweh meinen Schädel auseinander zu sprengen drohte und mich aufstöhnen ließ. Gleichzeitig brummte es gefährlich neben mir: „Brauchst du noch eine zweite Ladung, Arya?“ Langsam… und zwar seeeeehr langsam, drehte ich mich um und noch langsamer schaute ich zu meinem Herrn auf, der grinsend mit einer Schüssel in der Hand neben mir stand. Seine Frage nicht verstehend erkundigte ich mich: „Ähmmm… was soll ich laden, mein Herr?“ 

„Eine Ladung Wasser zum Wachwerden! Wir gehen gleich zum Brunnen, Arya!!“ brummte er unheilverkündend und mir dämmerte, warum sich mein Kopf so anfühlte, als ob er gleich platzt und warum neben meinen Knien eine Wasserpfütze auf den Fliesen war. „Achsoooo.. nene, ich bin doch schon wach, mein Herr... ist es denn schon hell? Verzeihung, ich muss verschlafen haben und ich glaube, ich weiß auch warum… habe da so eine vage Ahnung“, antwortete ich immer leiser werdend, während hinter meinen zusammen gekniffenen Augen ein auf ex getrunkener Krug Ale meinen Schädel zu sprengen drohte und es draußen vorm Fenster viel zu hell war.

„Womit hat denn deine vage Ahnung zu tun, kleine Sklavin?“ bohrte mein Herr weiter und ich flüsterte: „Also ich versteh das gar nicht, denn ich bin das nie...aber ich, ich... ich bin... ich glaube, ich bin krank, mein Herr.“ „Du bist krank? Was hast du denn, Arya? Brauchst du einen Einlauf oder vielleicht etwas Lebertran?“ Nach dieser Ankündigung bollerte es nicht nur in meinem Kopf, sondern rumorte zusätzlich auch noch in meinen Eingeweiden, was ich mir aber nicht anmerken ließ. „Ich glaube zu erinnern, dass ich jede Menge Ale trinken musste und jetzt… naja… helfen denn Einlauf und Lebertran gegen Kopfschmerzen, mein Herr?“ erkundigte ich mich hoffnungsvoll, doch mein Herr verneinte.

Diese beiden oberfiesen Behandlungsmethoden hätte ich tatsächlich in Kauf genommen, da sie mir weniger schlimm erschienen, als das Dröhnen meines Schädels, das bei den Fragen meines Herrn nicht besser wurde… woran ich mich erinnere, warum ich faul gewesen war und nicht nur einen Becher Ale geholt hatte, sondern einen ganzen Krug und warum ich den austrinken musste. 

Obwohl ich es doch nur gut gemeint hatte mit dem Brauer und seinem großen Durst, warf mein Herr mir Verschwendung vor, packte mich schließlich an den Haaren und zog mich brummend hinter sich her zum Brunnen, wo er meinen Kopf unter einen Wasserstrahl hielt.

„Das hilft sicher und kühlt gut oder Arya? Vielleicht muss ich dich noch etwas untertauchen?“ Ich glaube, er erwartete nicht wirklich Antworten auf seine Fragen. Ich beeilte mich zwar zu beteuern, dass es mir schon viel besser ging, doch dabei zog er meinen Kopf in den Nacken, sodass mir das kühle Wasser ins Gesicht spritzte und tauchte ihn schließlich komplett unter Wasser. „Wirklich? Besser? Wir wollen doch ganz sicher gehen… aber ich bin froh, dass du nicht ins Haus gekotzt hast.“ Er setzte die einzelnen Varianten meiner Kopfwäsche noch eine Weile fort, die ich mehr oder weniger prustend und zwischendurch nach Luft schnappend, aber ansonsten stumm über mich ergehen ließ.


„So, ich denke, das reicht erst mal, Arya, aber du hast mich mit deinem Kopfaua nass gemacht.“ Danach ließ mein Herr mich los, sodass ich mich nicht nur bedankte und ihn um Verzeihung bat, sondern mich vor ihm niederkniend tief herunter beugte, um die Wassertropfen von seinen Sandalen zu küssen. „Ich hoffe, du hast etwas gelernt Arya… du bleibst heute nackt. Trockne dich ab, wir gehen zum Hafen.“ „Danke mein Herr... ich werde nie wieder einen Krug gegen großen Durst holen, wenn ich dazu nicht aufgefordert werde...ganz bestimmt nicht!" beteuerte ich noch und sauste dann zurück ins Haus, um mich trocken zu rubbeln.

Vor der Taverne trafen wir den Brauereikrieger, der sich schmunzelnd erkundigte: „Was macht der Kopf, Arya?“ Eilig beteuerte ich, dass der nichts machte und wurde dann gefragt, wie das Ale mir geschmeckt hatte. „Wenn ich ehrlich bin und das bin ich ja immer Herr... dann mag ich es nicht so... vor allem mag ich seine Wirkung nicht“, antwortete ich verlegen und ließ dabei offen, ob ich die Wirkung auf meine Zunge meinte oder meinen Kopf. Grinsend erklärte er mir: „Es wird gerne wegen der Wirkung gekauft, Arya… und natürlich wegen dem herben Geschmack. Aber es gilt das Maß zu treffen… nicht zu viel davon zu trinken.“


Natürlich entschuldigte ich mich auch bei dem Brauer noch und beteuerte, meinen Fehler nicht zu wiederholen, doch der winkte ab und mein Herr schmunzelte: „Arya hat wohl was gelernt oder?“ „Ja, jetzt weiß sie, wie Ale schmeckt und welche Wirkung es hat… finde ich prima!“

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