Mittwoch, 14. Juni 2017

Wucherpreis

Selbstverständlich gehört zu meinen häuslichen Arbeiten auch, die Felle oben auf dem Balkon auszuschütteln. Ich finde den Blick über die Stadt jedes Mal wieder schön, er ist aber natürlich ganz besonders toll, wenn ich meinen Herrn in der Gasse neben dem Brunnen entdecke, so wie vor kurzem. Er stand dort zusammen mit dem Brauereikrieger und unterhielt sich mit zwei mir unbekannten Besucherinnen. Es ist mir unerklärlich, aber vielleicht lenkte mich der Anblick der beiden stattlichen Krieger ab, jedenfalls vergaß ich die Windrichtung zu prüfen, sodass die aus dem Fell geschüttelte Mini-Staubwolke zu der Gruppe hinüberwehte.

Erschrocken hörte ich meinen Herrn sofort brummen und sah, wie der Brauer gleichzeitig theatralisch mit seiner Hand vor dem Gesicht herum fuchtelte. Dabei tat er zusätzlich so, als hätte er Atemnot, bekam einen Hustenanfall und rief schließlich: „Was im Namen der Priesterkönige machst du da, Arya? Willst du uns ersticken?“ Args… so ein Mist! Um Schadensbegrenzung bemüht, setzte ich umgehend mein oberunschuldiges Gesicht auf. Freundlich grüßend verzichtete ich allerdings darauf nieder zu knien, um nicht hinter dem Balkongeländer zu verschwinden, sondern wedelte stattdessen eifrig mit beiden Händen in der Luft herum, obwohl die Sicht eigentlich bestens war. Danach verdrückte ich mich schleunigst mit dem Fell zurück ins Haus.


Ich ließ noch einen Moment verstreichen, nachdem ich mit meinen Arbeiten fertig war. Doch letztendlich siegte meine Wissbegier zu erfahren, worüber sich die Freien unterhielten. In Sachen Mini-Staubwolke erschien es mir allerdings ratsam, erneut meine „kein Wässerchen trüben Miene“ aufzusetzen, als ich mich schließlich neben meinen Herrn kniete. Meine Vorsichtsmaßnahme war jedoch überflüssig, denn mein Herr konzentrierte sich auf das Lesen eines Dokuments in seiner Hand, das ihm die beiden Weiber anscheinend überreicht hatten. Oder nee, ich glaube, er tat nur so als ob und brummte: „Lesen ist immer so anstrengend.“

Das fand ich auch, ein Blick auf das Geschriebene war mir aus meiner knienden Position nämlich nicht möglich. Ich verstehe auch nicht, warum so viele Goreaner neuerdings schreiben können und Informationen eher nur noch sehr selten mündlich übermittelt werden. Aber egal, da ich keine Schreiberkajira bin, interessiert mich weniger, ob es irgendwann keine Schreiber mehr geben wird. Offensichtlich war es bereits jetzt schwierig, ein Mitglied der blauen Kaste zu finden. Die beiden Besucherinnen hatten wegen der Beglaubigung eines Papiers über die Freilassung einer Sklavin und zur Klärung einiger Details nämlich die weite Reise aus Lydius auf sich genommen, um einen Schreiber zu finden.


Natürlich fiel diese Merkwürdigkeit auch meinem Herrn auf, doch außer wortreichem Verständnis für sein Misstrauen, mit Formulierungen wie„…seine Spezialität ist das Wort des Schwerts, nicht des Papiers“ oder „…sieh es ihm nach“, bekam er keine Antwort auf seine Frage. Er bohrte weiter und erkundigte sich nach der Bezahlung für Siegel und Unterschrift auf dem Schreiben, erhielt jedoch nur eine vage, nichtssagende Antwort über die Kosten solch einer Beglaubigung. Es folgten diverse weibliche Denkpausen, die jedes Mal sehr wortreich endeten und zuletzt mit Augenrollen kombiniert wurden.

"Siehst du… ich habe es dir doch gleich gesagt. Das kannst du einem Mann nicht verständlich machen, dass man nicht zu einem gierig dreinblickenden, fetten und alten Schreiberling gehen will, der zudem nach Paga stinkt, als ob er die Nacht in einem Haufen Boskdung verbracht hätte! Verschwendete Liebesmüh... " Da mein Herr weder fett noch alt ist, blieb ihm nur, es irgendwann mit Geldgier zu versuchen. Er nannte einen hohen Wucherpreis für Siegel und Unterschrift… eine elegante Lösung, um ein Ende der Merkwürdigkeiten herbei zu führen, die allerdings nicht sofort wirkte und auch nicht den einen oder anderen noch folgenden weiblichen Wortschwall verhinderte.

Die Besucherinnen verstrickten sich immer mehr in Wiedersprüche und letztendlich gab mein Herr mir das Dokument, damit ich es zurückgebe. Er machte deutlich, dass für ihn das Thema „Beglaubigung“ vorerst erledigt war: „Eines ist klar, Abreisende soll man niemals aufhalten… geh zu dem fetten gierigen Schreiber deines Vertrauens. Solltest du es dir anders überlegen, dann kannst du ja zurückkommen.“ Nachdem sich der Brauer nun breit grinsend verabschiedet hatte, kam zwar noch einiges Blablabla, doch letztendlich zogen die beiden Weiber von dannen. Puhhh… erstaunlich, aber meine Ohren hatten die weiblichen Wortfluten überstanden.


„Die waren komisch Arya. Ich will nicht in etwas hinein gezogen werden oder zwischen irgendwelche Fronten geraten, indem ich ein Dokument von Fremden beglaubige! So... und nun ist es Zeit für einen DAP!!“ Es ging für den Dienst-Abschluss-Paga zum Hafen, wo einige Sitze vor der Taverne an diesem Abend bereits besetzt waren. Doch diesmal war es nicht an mir, alle Herren mit Getränken zu versorgen, da Laya sich bereits um den Durst ihres Herrn, des Brauereikriegers und des Bauern gekümmert hatte. Die Gespräche der Männer wandten sich natürlich auch kurz noch den beiden Besucherinnen zu und bestätigten, dass an der Sache vermutlich irgendetwas faul gewesen war. ;-)

1 Kommentar:

  1. Ich könnte jetzt lang und breit etwas zum RP und diesem Bericht hier erklären, will und brauche ich aber nicht. Denn bei dir/euch geht es ja augenfällig sowieso darum, immer schön die Oberhand zu behalten, egal, mit welchen fairen oder unfairen Mitteln. Mit anderen Worten: egal, was ich sagen würde, ist es so oder so absehbar, dass alles so hingedreht wird, damit wir, die Besucher, auch ja schön dumm da stehen.

    Ich dachte ja eine Zeit lang wirklich beim Lesen deiner Posts, du seist lustig. Das Bild hat sich inzwischen gewandelt: will nicht wissen, wie vielen Spielern du mit deinen "Witzen" Unrecht getan hast. Bösartigkeit lässt sich auch mit Scherzen nicht auf Dauer verschleiern.

    Keine Sorge, so schnell seht ihr mich da nicht wieder. Und wenn doch, dann seid ihr die ersten, denen ich aus dem Weg gehe.

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