Donnerstag, 8. Juni 2017

Zurück in Jorts Fähre

„Tal Arya! Na, bist du froh, nicht mehr im Norden zu sein? Und dass du nicht mehr Dummchen bist, gefällt dir bestimmt auch oder?“ erkundigte sich mein Herr schmunzelnd. Stimmt, darüber war ich wirklich erleichtert, befühlte vorsichtshalber aber noch einmal dezent meine Nordmannwange, die sich inzwischen jedoch komplett erholt hatte. „Dich dumm zu stellen, war keine gute Idee, Arya… aber ich denke, du hast gemerkt, wie wenig schlau das war.“ Oh ja, das hatte ich und ich legte auch keinerlei Wert auf eine Fortsetzung der Behandlung des großen Nordmanns.

Um Ablenkung von diesem schmerzhaften Erlebnis bemüht, erkundigte ich mich hoffnungsvoll, ob vielleicht schon zu sehen ist, dass ich seit unserer Heimkehr doppelte Resteportionen esse. „Warum das denn Arya?“ fragte mein Herr sichtlich irritiert. Da er nicht verstand, warum ich kompakter werden wollte, erklärte ich ihm, wie grässlich ich es finde, wenn ständig die nach oben ragenden Riesenbrüste und gewaltigen Hinterteile von fast gleich aussehenden Kajirae mit Kindergesichtern angepriesen werden, während ich abfällig als zu dünn bezeichnet werde. Leider scheinen Sklavinnen dieser Zuchtform neuerdings sehr beliebt zu sein. 

„Arya, wer sagt, dass ich will, dass du zunimmst?“ fragte mein Herr erstaunt und strich dabei über meinen obersatten, allerdings immer noch ziemlich flachen Bauch. Ausschlaggebender letzter Anlass für meine Bemühungen war das Erlebnis im Norden gewesen, als er das ausladende Hinterteil dieser Prall mit den üppigen Formen durchgeknetet und ihr Jarl damit angegeben hatte. „Ach… und knete ich deinen Hintern nicht auch, wenn mir danach ist, Arya?“ Das stimmte natürlich, trotzdem hatte ich Angst, meinem Herrn vielleicht nicht mehr zu gefallen. „Hör auf doppelte Portionen zu essen… wenn du zunehmen sollst, weiß ich eine andere Methode, Arya.“

Damit war das Thema für meinen Herrn erledigt, denn er zupfte jetzt am Schmuck, den ich immer noch trug. Nach unserer Heimkehr hatte ich vollkommen vergessen, ihn wieder in meinem kleinen Schatzkästchen zu verstauen, obwohl ich doch genau weiß, dass ihm sowas nicht gefällt. „Arya, leg die Binaketten ab und zieh dir etwas an… wir gehen jetzt zur Brauerei.“ Vorher nahm er allerdings noch eine andere Kette zur Hand, die er schmunzelnd an meinem Kragen befestigte, spielerisch daran zog und dabei äußerst zufrieden brummte: „So gefällt es mir, meine kleine Kajira.“ Oh ja… dieser Schmuck gefiel mir natürlich auch.


An der Brauerei angekommen, bollerte mein Herr diesmal höchstpersönlich an die Tür und brüllte so laut den Namen des Brauers, dass der Herr förmlich heraus geschossen kam mit einem „…nur die Ruhe und tal erst mal… was gibt es denn so Wichtiges?“ Mein Herr erklärte, dass er sich seit unserer Abreise zum Thing große Sorgen um ihn gemacht hatte, weil der Brauer doch eigentlich mitkommen wollte. „Uff… ich musste dringend zu einer Fachverkostung!“ antwortete der wieder aufgetauchte Vermisste, was sehr wichtig und interessant klang. Details dieser Verkostung wurden aber nicht näher erläutert, da sich das Gespräch der beiden Männer natürlich um die Erlebnisse beim Thing drehte und dass jeder meinen Herrn als Südling erkannt hatte.

Während mein Herr von den Tanzkünsten des nordischen Oberjarls berichtete und der Angeberei der Nordleute mit ihren prallen Sklavinnen, schaffte ich eilig Getränke herbei… diesmal übrigens in weniger als zwei Ehn, was mit hörbar zufriedenem Brummen honoriert wurde. Leider erwähnte mein Herr auch die kräftige Ohrfeige des Oberjarls und ich musste erklären, dass ich sie mir nur deswegen eingehandelt hatte, weil ich einfach nicht anders konnte, als die geschmeidigen Tanzbewegungen des Nordmanns mit funkelnden Blicken zu bewundern, die der Kerl nur leider falsch verstand.


Nachdem sich der Sattler mit seiner Kajira dazu gesellt hatte, verlagerten sich die Männer auf die Tavernen-Sitzfässer am Hafen… im Sitzen trinkt es sich eben doch besser. Unsere Reise zum Thing mit den ganzen nordischen Merkwürdigkeiten blieb natürlich weiter Gesprächsthema Nummer 1. Fazit meines von dieser Veranstaltung insgesamt wenig beeindruckten Herrn war übrigens: „Es war ziemlich windig dort… ich hätte die Nordler mit einer Hand auf dem Rücken besiegen können, die waren nämlich nicht gut… aber ich durfte ja nicht mitmachen.“ 

„Hmm… bisher hatten sie immer recht gute Kämpfer“, erwiderte der Brauer erstaunt und erzählte von seinem Besuch eines anderen Festes im Norden, das damals vollkommen überlaufen gewesen war. Kurz wandte sich das Gespräch noch den Vor- und Nachteilen der Tarnung meines Herrn mit oder ohne Bart zu, um zukünftig nicht von jedem Nordmann mit Namen und Herkunft erkannt zu werden, aber auch wohlriechendem Sklavenparfüm, der Vertiefung diplomatischer Beziehungen und minderwertiger, viel zu teuer ersteigerter, nämlich ständig schlafender Sklaven-C-Ware.


Während das Zentralfeuer tiefer und tiefer sank, nahte gleichzeitig leider unaufhörlich die Ahn der Nachtwache meines Herrn, zu der er diese Hand eingeteilt war. „Arya, du kümmerst dich noch um den Brauer und wenn er dich nicht mehr benötigt, kommst du nach Hause.“ Nach diesen Worten wuschelte er noch kurz meine Haare durch, stemmte sich dann aber hoch, denn Dienst ist nun mal Dienst, zu dem ein pflichtbewusster Hauptmann selbstverständlich nicht zu spät kommt. Ich rutschte also ein Sitzfass weiter, um mich nun sanft an den schönen rothaarigen Brauereibesitzer anzuschmiegen, der nach Layas Frage etwas ausführlicher erklärte, was ein Thing ist.

„Ich glaube, das machen die Nordler regelmäßig alle 4 Märkte… Turniere, fressen, saufen, tanzen… werfen Knochen und so Kram… fragen nach dem Wetter, wie der Winter wird, ob die Fische beißen, wie der Krieg ausgeht.“ Mit ungläubigem Gesichtsausdruck hakte der Sattler nach diesem recht ungewohnten Redeschwall des Kriegers prompt nach: „Knochen nach dem Wetter fragen? Wenn ich wissen will, wie das Wetter ist, schau ich zum Himmel!“ „Stimmt Herr und wenn man vom Regen nass wird, erübrigt sich sogar der Blick nach oben“, gab auch ich meinen Senf noch dazu und der Sattler bestätigte: „Genau Arya... wenn es regnet, das merke ich sogar nach drei Paga noch!“

Im Nachhinein fand ich es schade, dass bei unserer Ankunft im Norden das ganze Gedöns des Things schon in Gange gewesen war und wir uns vor dem Ende wieder auf den Heimweg machen mussten… ein Knochenwetterbericht hätte mich echt interessiert! 

Lange Zeit, den Knochen hinterher zu trauern, blieb mir allerdings nicht. An diesem Abend riefen nämlich nicht die Kessel nach dem Brauereikrieger, sondern seine Felle, sodass ich dem Wunsch meines Herrn, mich gut um den schönen Rarius zu kümmern, nachkam und meine Heizdienste anbot. „Aye… du kannst mir gerne das Fell wärmen, Arya“, schmunzelte der Rarius und patschte mir vor seiner Haustür bestens gelaunt aufs Hinterteil: „Rein mit dir, Arya!“ ;-))

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