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Tagebuch einer Emanze

...über ein 5tägiges Abenteuer auf der Erde im Februar / März 2012


Tag 1

Die Neugier hatte mich gepackt, nachdem ich von einer abgelegenen kleinen Insel namens Forfax in Privathand vor der britischen Küste gehört hatte, die vor einigen Jahren in einen ziemlichen Skandal verwickelt gewesen sein soll. Ein alter Gärtner und Hausmeister der Inselbesitzer, der sich anscheinend inzwischen zu Tode gesoffen halben soll, wurde seinerzeit verdächtigt, für das Verschwinden von mehr als 30 Frauen verantwortlich gewesen zu sein. Die Polizei blieb allerdings den Beweis für seine Täterschaft schuldig und wurde seitdem wohl auch nicht mehr auf der Insel gesehen. Ich erkundigte mich daher nach einer Fährverbindung auf diese Insel, schnappte mir mein kleines Zelt, Schlafsack, ein wenig Proviant und packte meinen guten alten Rucksack. Natürlich zog ich auch meine geliebte, superbequeme Latzhose (allerdings nicht die lila eingefärbte^^) und den guten alten Norwegerpulli an, die mir beide schon auf so vielen Reisen gute Dienste getan hatten. Vor der britischen Küste ist man natürlich besonders gut beraten, etwas Warmes dabei zu haben und für jedes Wetter gewappnet zu sein.

Als emanzipierte junge Frau war dies nicht meine erste Reise alleine mit Zelt und Rucksack. Im Gegenteil, ich hatte schon eine Menge interessante und manchmal auch sehr schöne Abenteuer in den unterschiedlichsten Ländern erlebt. Ich finde, eine Frau ist einfach viel offener, wenn sie alleine unterwegs ist. Die Insel zeigte sich bei meiner Ankunft wettermäßig äußerst freundlich, die Regenklamotten konnten also erst einmal im Rucksack bleiben. Allerdings war ich die einzige, die an Land ging. Zusätzlich beschlich mich ein etwas komisches Gefühl, als versuche der Fährkapitän besonders schnell wieder abzulegen. Aber vielleicht hatte ich mich da auch getäuscht. Außer einer Möwe als Begrüßungskomitee am Hafen war weit und breit jedenfalls niemand zu sehen, doch das störte mich eigentlich nicht weiter.

Als Erstes war erst mal Inselerkunden angesagt und nebenbei Ausschau halten nach einer guten Zeltmöglichkeit. Ein paar Ansprüche an meinen Zeltplatz hatte ich schon. Möglichst eben sollte er natürlich sein und vielleicht in einer schönen Bucht direkt am Strand gelegen, damit ich es nicht weit zum Schwimmen habe, denn ich schwimme unheimlich gern… bevorzugt natürlich nackt, daher also der Wunsch nach Strandnähe. Die Insel stellte sich als ein Mischmasch aus teilweise felsigen, teilweise aber auch grünen Bergen heraus, dazwischen Meeresbuchten und herrlich duftende Wiesen mit wundervoll weichem Gras, was mich sofort dazu veranlasste, meine Schuhe auszuziehen und mit nackten Füßen und hochgekrempelten Hosenbeinen barfuß weiter zu laufen. Ich liebe einfach das Barfußlaufen und sowieso nicht nur nackte Füße zu haben, sondern insgesamt nackt zu sein, nicht nur beim Baden. Aber darauf habe ich lieber verzichtet... zumindest erst einmal.

Die Klamottenentscheidung war auf jeden Fall nicht verkehrt gewesen, da ich offensichtlich doch nicht alleine auf der Insel war. Ich traf nämlich vor einem stallähnlichen Gebäude auf einen Mann. Aber es war nicht irgendein Mann… nein, es stellte sich heraus, dass er nicht nur ein "Sir" war, sondern auch noch, dass ihm zusammen mit seiner Gattin die Insel gehört! Ohje, ich war in das erstbeste Fettnäpfchen getreten, das ich finden konnte, denn ich hatte ihn eher als den Stallburschen angesehen und einfach geduzt. Doch ich hatte Glück, er nahm das überhaupt nicht weiter krumm, was für mich ein Zeichen dafür war, dass er vermutlich von einer sehr alten Adelsfamilie abstammen musste und offensichtlich nicht zu der Sorte "neureich" gehörte.

Er war sogar richtig nett, so dass ich gleich die Gelegenheit beim Schopf packte, um mich nach einem geeigneten Zeltplatz bei ihm zu erkundigen, worauf er mich lächelnd von Kopf bis zu meinen nackten Füßen musterte und mir dann eines seiner Gästehäuser kostenlos anbot, mich sogar höchstpersönlich dort hinführte. Ich brauchte also nicht zelten, auch wenn mich die Entfernung zum Strand doch ein wenig zögern ließ. Es war interessant mit ihm zu plaudern und ich hätte ihn ja noch gerne ein wenig länger ausgehorcht, aber leider kam seine Gattin vom Reiten zurück und rief ihm von weitem nur kurz zu, dass irgendwer da sei und sie schon voraus gehen würde in den Club. Das schien für ihn dann leider das Stichwort zu sein, mir noch einen schönen Aufenthalt zu wünschen und hinter seiner besseren Hälfte hinterher zu eilen, allerdings nicht, ohne mich noch ausdrücklich vor dem Betreten des Waldes zu warnen.

Leider war er dann weg, obwohl ich zu dem Wald noch eine ganze Menge ungestellter Fragen hatte. Hmmm... warum sollte ich einen Wald nicht betreten? Ich bin eine moderne, aufgeklärte, emanzipierte und vor allem furchtlose junge Frau, die auch nicht abergläubisch ist. Dort wird schon keine böse Hexe hausen wie bei Hänsel und Gretel! Ach was, er hat bei seiner Warnung bestimmt nur an die Schonung meiner nackten Füße gedacht. Ein Kerl mit stiefelgezwängten, verweichlichten Marzipanfüßen, offensichtlich ohne Ahnung davon, wie weich so ein Waldboden ist. Achja, sagte ich schon, dass ich manchmal etwas neugierig bin? Es war also nur logisch, dass es mich nach dieser unklaren Warnung mehr oder weniger automatisch in den Wald zog, kaum dass der Sir so abrupt verschwunden war.

Die Warnung war vollkommen unbegründet. Es duftete herrlich nach Harz und Kiefern und der Waldboden war wirklich ausgesprochen weich. Eigentlich war ich schon kurz davor wieder umzudrehen, weil es langsam dämmerte, als ich zwischen den Bäumen die Lichter eines großen Hauses bemerkte und mich fragte, ob der Inselbesitzer mit seiner Gattin vielleicht dort wohnte? Ich gestehe, nun zögerte ich doch ein wenig, einerseits wollte ich das natürlich gerne heraus bekommen, aber ich konnte dort ja nicht einfach klopfen so nach dem Motto "hallo hier bin ich, ich würde mir gerne mal das Haus ansehen". Doch gerade wegen der mysteriösen Warnung, schaffte ich es leider nicht, einfach so zu meiner Gastunterkunft zurück zu marschieren und schlich mich leise auf die Terrasse, um wenigstens vorsichtig durch eines der großen Fenster zu spähen.

Was ich dort sah, verschlug mir echt die Sprache und zwar nicht, weil ich irgendwie prüde bin. Wie ich zu meinem Körper und Nacktheit stehe, schrieb ich ja oben schon. Nein, ich schnappte nach Luft, weil dort offensichtlich etwas sehr Diskriminierendes in Gange war! Eine vollkommen nackte Frau kniete mit weit gespreizten Schenkeln vor dem Sir! So etwas Frauenfeindliches hatte ich ja noch nie gesehen und schon gar nicht in unserer aufgeklärten emanzipierten Welt. Keine der anwesenden, angezogenen Frauen half der Ärmsten und gebot dem Kerl Einhalt! Sofort kamen mir Gedanken in den Sinn, ob dies vielleicht eine der Vermissten war, die hier gefangen gehalten wurde? Tja, und dann passierte es. Bevor ich weiter herumspionieren konnte, war ich anscheinend entdeckt worden, denn die Tür ging plötzlich auf und vor mir stand die Gattin des Sirs.

Komischerweise bekam ich fast den Eindruck, als hätte sie mich erwartet. War die Warnung ihres Gatten vor dem Wald vielleicht Absicht gewesen, um mich dort hinein zu locken? Sollte ich gar ein weiteres Opfer werden? Fragen über Fragen, die mir da durch den Kopf jagten und mich anfangs gar nicht richtig verstehen ließen, was die Dame zu mir sagte. Sie mokierte sich nämlich an meiner legeren Freizeitkleidung und meinte, sie würde mich gern hinein bitten, wenn ich standesgemäß gekleidet wäre. Na, wer packt denn zum Zelten das kleine Schwarze mit ein? Ich jedenfalls nicht! Alternativ könnte ich aber auch nackt mit hinein kommen... vollkommen nackt betonte sie noch und verschwand wieder im Haus. Und so geschah es tatsächlich. M mit zitternden Fingern zog ich mich äußerst zögerlich aus, denn ich musste doch unbedingt in Erfahrung bringen, was es mit der Gefangenen auf sich hatte, damit ich der Polizei einen entsprechenden Hinweis geben konnte. Dann holte ich tief Luft und betrat mit klopfendem Herzen das Haus.

Tag 2

Ohje, welch eine Situation. Ich nahm also meinen ganzen Mut zusammen und wagte mich äußerst zögerlich, aber eben in der allerbesten Absicht, nämlich eine arme gefangene Frau aus den Klauen von möglichen Verbrechern zu retten, ins Haus... und zwar nackt. Ich muss gestehen, sooooo nackt habe ich mich noch nie gefühlt!! Das Problem war nur, die vermeintliche Gefangene war nicht mehr in dem großen Raum, nur noch die Gattin des Sirs und eine andere Frau. Die beiden Damen räkelten sich auf den Sofas herum und ließen sich von einem nackten Kerl Getränke servieren. Die Inselbesitzerin konnte sich natürlich eine frotzelige, äußerst selbstgefällige Bemerkung über mein Nachgeben hinsichtlich meiner Bekleidung nicht verkneifen, die ich aber im Sinne der mir selbst gestellten detektivischen Aufgabe weitestgehend von mir abprallen ließ. Ich nahm ihr Angebot, Platz zu nehmen, an. Wobei ich mir eine Bemerkung darüber nicht verkneifen konnte, dass es eigentlich nicht meine wohlerzogene Art ist, mich ohne ein Handtuch unter meinem nackten Allerwertesten auf irgendein Polster zu setzen. Nun gut, was tut man nicht alles im Sinne eines so wichtigen Auftrags. Ich setzte mich schließlich trotzdem, so wie die Natur mich geschaffen hatte auf einen Hocker.

Nun muss ich ehrlicherweise gestehen, dass mir der Anblick des nackten Kellners nicht unangenehm war, denn er war wirklich sehr gut gebaut. Ich gebe sogar zu, ich konnte eigentlich meine Augen kaum von ihm lassen, fragte mich allerdings, was einen Mann so anmachen kann, sich von zwei Frauen erniedrigen zu lassen, denn seine Erregung war durch die Konsistenz seines besten Stücks sehr offensichtlich und die beiden Damen behandelten ihn nicht gerade mit ehrfürchtigem Respekt. Wobei die Inselbesitzerin dann recht schnell das Interesse an ihm verlor, um sich auf die Suche nach ihrem Gatten zu machen und die andere Dame sich nun mit ungeteilter Aufmerksamkeit auf den Kellner konzentrierte. Sie begann ausgiebig die Standhaftigkeit seines nicht mehr kleinen Freunds zu prüfen, befahl ihm schließlich so zu bleiben und dann uns beiden, ihr in den Keller zu folgen. Ohje, am liebsten hätte ich das Weite gesucht und wäre aus dem Haus gerannt, aber ich konnte mir doch nicht die Chance, die arme Gefangene vielleicht im Keller anzutreffen und möglicherweise zu befreien, entgehen lassen!

Im Keller war jedoch niemand, dafür aber einige, ja ich muss gestehen interessante Einrichtungen, die meine Neugier ziemlich weckten. Leider konnte ich mal wieder meine vorlaute Klappe nicht halten, was zur Folge hatte, dass meine Begleiterin den nackten Kerl mit seiner Latte weiter links liegen ließ, um mir zu Demonstrationszwecken mit geschickten Fingern einige Seile anzulegen und diese recht fest zu verknoten! Huiihhh, das war eine wirklich neue Erfahrung für mich, so verschnürt zu werden und wenn ich ehrlich bin, war es keine unangenehme, sondern... ähhmmm... ja, äußerst anregende (wird immer leiser bei diesem Geständnis und flüstert den letzten Teil mit hochrotem Kopf nur noch). Dennoch habe ich zugesehen, alsbald das Weite oder vielmehr das Gästehaus wieder aufzusuchen, als die beiden schließlich im Bett übereinander herfielen.


Die nächsten Tage versuchte ich dann meine nach diesem Erlebnis sehr widersprüchlichen Gefühle und meine neuen Erfahrungen über mich selbst zu sortieren, indem ich im Schaukelstuhl auf der Terrasse des Gästehauses sitzend viel nachdachte und dem kreisenden Lichtkegel des Leuchtturms zuschaute, mich ganz auf die Beobachtung der Inselvögel konzentrierte, sehr lange einsame Wanderungen über die Insel unternahm und mich einfach versuchte wieder zu "erden". Leider wurde mir mit jedem Tag auch klarer, dass ich mit dem Sir über die Miete seines Gästehauses sprechen musste, denn es ist nun mal nicht meine Art, Schulden zu machen.

Tag 3

Nach etlichen Tagen ohne weitere nackte Abenteuer, meine allmorgendliche Nacktbaderei zähle ich jetzt mal nicht dazu, weil ich dabei nur von einigen Möwen beobachtet worden bin und denen es wohl egal war wie viel oder wie wenig ich anhatte, und auch keinen weiteren Begegnungen mit nackten Kellnern, Seilen und Knoten, habe ich so langsam zu mir zurückgefunden. Nur die Nächte waren ein wenig anstrengend und eigentlich auch zu warm, weil ich mich wegen der Mücken bis über die Ohren zudecken musste. Obwohl ich normalerweise immer ohne alles schlafe, war ich gezwungen, mir wegen der nächtlichen Plagegeister leider etwas überzuziehen, denn ich habe die Angewohnheit, mich im Schlaf abzudecken und lief dadurch Gefahr, über kurz oder lang wie ein Streuselkuchen auszusehen.

An meiner geliebten Latzhose und meinem sonstigen Outfit hat in dieser Zeit auch niemand Anstoß genommen, da mir einfach niemand begegnet ist. Auch die arme, gefangene Frau habe ich auf meinen gelegentlichen Streifzügen zu dem Waldhaus nie wieder gesehen und zweifelte mittlerweile ein wenig an mir selbst, ob ich das alles nicht vielleicht nur geträumt hatte. Ich hätte mich also rundherum wohlfühlen können, wenn da nicht die Mietfrage für das Gästehaus immer noch ungeklärt gewesen wäre und wurde daher zunehmend nervöser, weil ich einfach nicht wusste, wie lange es mein schmales Budget noch zulassen würde, auf dieser wundervollen Insel zu bleiben. Ein wenig hatte ich ja gehofft, dem Sir auf meinen Spaziergängen vielleicht zufällig zu begegnen, doch dies war leider nicht geschehen.

Entschlossen zog ich also die Träger meiner Latzhose straff und machte mich auf den Weg zu dem anderen großen Haus, dass ich vom Gästehaus in der Ferne hinter dem Reitstall ausmachen konnte. Vielleicht hatte ich ja Glück und traf den Sir dort an. Die Tür stand weit offen, sodass ich schon von weitem Frauengelächter wahrnehmen konnte, es war also offensichtlich jemand zu Hause. Dieser Jemand war die Gattin des Sirs, die es sich zusammen mit einigen Damen gut gehen ließ und anscheinend auch nicht mehr ganz nüchtern zu sein schien. Wobei ich nicht behaupte, dass sie oder ihre Freundinnen gelallt haben. Die schienen offensichtlich ganz gut im Training zu sein. Aber zu so früher Stunde, wo die Sonne noch nicht mal untergegangen war? Also ich weiß nicht, ob Frau da schon Alkohol zu sich nehmen sollte. Freigiebig war sie jedenfalls und die Bar außerordentlich gut bestückt, ich hätte mir also jeden Getränkewunsch erfüllen können, zog es aber doch lieber vor, mir nur ein Wasser zu nehmen, bevor ich mit meinem Anliegen bezüglich meiner säumigen Mietzahlungen herausrückte.

Ohje, es kam schlimmer als ich dachte. Ich habe zwar nicht herausbekommen, was ich wirklich zu zahlen habe, aber als die Damen hörten, was mir so vorschwebte, erntete ich arrogant hochnäsiges, ungläubiges Gelächter und musste mir anhören, mein Geld würde nicht mal für eine einzige Übernachtung reichen. Ich konnte es kaum glauben, vor allem weil diese Unterkunft ja eigentlich nur eine Bretterbude ohne jeglichen Komfort, dafür aber mit jeder Menge blutsaugender Haustiere war und nicht das luxuriöse Hotel Vierjahreszeiten an der Alster in Hamburg! Wie sollte ich nur aus dieser peinlichen Klemme herauskommen? Ich wäre vor Scham am liebsten im Erdboden versunken.

Den Damen schien mein Problem jedoch nicht unbekannt zu sein, denn die Inselbesitzerin machte mir prompt ein Angebot, wie ich meine Schulden begleichen kann. Sie bot mir an, sie z.B. durch Serviertätigkeit abzuarbeiten. Aha, daher wehte also der Wind. Durch restlos überteuerte Preise für eine einfache Übernachtungsmöglichkeit verschafft sich die Gnädigste also Hauspersonal. Aber hatte ich eine Wahl? Wohl eher nicht, blauäugig wie ich das Angebot des Sirs nun mal angenommen hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich auf diesen Deal einzulassen. Ich stimmte also zu.

Leider war das natürlich noch nicht alles gewesen, nun ging das Gemecker an meinem Outfit wieder los. Sämtliche Damen machten sich über meine tolle Latzhose lustig, wussten den bequemen Schnitt in keiner Weise zu würdigen und forderten, dass ich nackt zu servieren hätte, da mein Rucksack ja nun mal keine geeignete Servierkleidung hergab. Aber was soll's, ich erwähnte ja schon, dass ich eigentlich kein Problem mit meiner Nacktheit habe und nach den kürzlichen Erfahrungen in dem Waldhaus sowieso nicht mehr, zumal mir in meiner misslichen Lage eh nichts anderes übrig blieb, als mich darauf einzulassen. Ich willigte daher ein, nach oben zu gehen und mich dort zu entkleiden.

Oho, in was für einen Raum war ich nun gekommen? Ich kam aus dem Staunen gar nicht heraus und betrachtete erst einmal ausgiebig die überaus interessanten Bilder an den Wänden und widmete mich dann den zahlreichen "Gerätschaften". Ich weiß nicht, wie ich das alles anders bezeichnen soll. Dabei habe ich dann irgendwie vollkommen vergessen, weswegen ich nach oben geschickt worden war. Doch meine Erinnerung wurde alsbald in Form einer der Damen aufgefrischt, die leise nach oben gekommen war und anscheinend schon einige Zeit an der Wand lehnte und mir von dort aus bei meinen Betrachtungen zugeschaut hatte.

Sie war mir dann auch bei dem Entkleiden behilflich auf eine mir zwar neue, aber... naja... sehr sanfte, feinfühlige, überaus anregende Art, die ich sooo noch nicht kennengelernt hatte. Aber wie soll Frau sich auch angekettet, ohne fremde Hilfe entkleiden? (wird schon wieder dunkelrot) Leider ließ sie mich dann mit den ganzen über mich hereinströmenden Empfindungen alleine, weil sie eine Verabredung oder was auch immer hatte. Tja, und die anderen Damen hatten sich inzwischen ebenfalls verkrümelt, so dass ich schließlich ganz alleine in dem großen Haus war und die Gelegenheit nutzte, mich überall ausgiebig umzuschauen. Wobei mir am besten eigentlich der Weinkeller gefiel, auch wenn ich selbstverständlich keine Flasche angerührt habe!


Tag 4

Vereinbarungsgemäß fand ich mich am nächsten Tag in meiner „Dienstkleidung“ am Bartresen ein und harrte der Dinge, die vielleicht kommen würden, also möglichen Gästen, die ich zu bedienen hätte. Leider hatte ich versäumt, bei meiner Arbeitgeberin in Erfahrung zu bringen, wie lange ich diese Tätigkeit innehaben muss, um meine säumigen Mietzahlungen für das Gästehaus auszugleichen. Aber das würde ich bei nächster Gelegenheit einfach nachholen, dachte ich zumindest. Mir war bei diesen Überlegungen jedoch nicht klar, dass eine solche Gelegenheit vielleicht auf sich warten lassen könnte.

So ganz wohl war mir in meiner nackten Haut ehrlich gesagt nicht, während ich leicht fröstelnd alleine hinter dem Bartresen des großen Hauses herumstand. Eine ganze Weile tat sich nämlich schlicht und einfach nichts. Das Haus war komplett ausgestorben, wie die Insel insgesamt auch. Zumindest tauchte niemand mit einem Getränkewunsch bei mir auf. Um mir die Warterei ein wenig angenehmer zu gestalten, genehmigte ich mir einfach erst mal ein Glas von dem genau vor meiner Nase stehenden Martini. Nicht um mir Mut anzutrinken, sondern eher aus medizinischen Gründen, um mich innerlich ein wenig durchzuwärmen. Mir war zwar klar, dass Selbstbedienung vermutlich nicht im Sinne der Lady war, aber was soll’s, was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß und ich musste es ihr ja nicht gleich unter die Nase binden. Vorsorglich behielt ich daher also Tür und Treppe im Auge, während ich an meinem Glas nippte. 

Nach einiger Zeit und ziemlicher Langeweile kamen erste Gedanken in mir auf, die Miete für das Gästehaus einfach zu prellen und mich klammheimlich aus dem Staub zu machen. War die Gelegenheit nicht günstig? Es würde doch vermutlich niemand bemerken, wenn ich einfach die nächste Fährüberfahrt nehme, denn mein Rückfahrticket hatte ich ja zum Glück schon gekauft. Doch ich habe noch nie Schulden gemacht und hatte auch nicht vor, das jetzt zu tun. Insofern musste ich mich also an die Abmachung mit der Inselbesitzerin halten und wollte nach wie vor meine Übernachtungen abarbeiten.

Wie gut, dass ich so wachsam war, denn so gelang es mir, mein Glas gerade noch rechtzeitig verschwinden zu lassen, als die blonde Dame auftauchte, die mir am Vortag so "freundlich" beim Auskleiden behilflich gewesen war. So herausgeputzt wie sie war, war ihr Outfit ein wirklich starker Kontrast zu meinem, aber darüber stand mir natürlich kein Urteil zu. Ich war ja nur eine einfache Bedienstete, die nun wenigstens etwas zu tun bekam. Die mit einem riesigen Hut aufgetakelte Dame gelüstete es nämlich nach einem Gläschen Champagner. Eifrig machte ich mich an dem äußerst schwergängigen Korken zu schaffen. 

Leider passierte mir beim Öffnen trotz aller Vorsicht ein kleines Missgeschick und ich begoss mich mit Champagner, was jedoch einfach abgewischt werden konnte, da ich ja nichts anhatte. Zu meiner großen Erleichterung sah die aufgedonnerte Lady über meinen Patzer hinweg, leider aber nicht über das vermeintlich schmutzige Glas, das ich ihr gereicht hatte, dessen gesamter Inhalt schlagartig in meinem Gesicht landete, kaum hatte sie es in Augenschein genommen. Ich wollte ja schon immer mal in Champagner baden, aber solch eine Gesichtsdusche war eigentlich weniger in meinem Sinne.

Äußerst pikiert über irgendein angebliches Minifleckchen am Glas, das man vermutlich mit der Lupe hätte suchen müssen, befahl sie mir, um den Tresen herum zu kommen und wies mich schließlich an, mich umzudrehen und mich vorgebeugt auf dem Barhocker neben ihr abzustützen. Ich war noch nicht mit Grübeln darüber fertig, warum ich diese eigenartige Haltung einnehmen sollte, als ich auch schon eine schmerzhafte Erklärung dafür erhielt. Die Lady hatte (woher auch immer) eine Reitgerte hervor geholt und mir mit dieser einen Schlag auf meinen nackten Po versetzt. Selbstverständlich machte ich mir postwendend voller Empörung lautstark Luft über die Frechheit einer solchen Züchtigung, allerdings mit der Folge, dass sie mir einen weiteren Schlag versetzte, mir dann auch noch fest in die Haare griff und mich in ihrer hochnäsigen Arroganz anzischte, ich solle mir ja nicht noch einmal anmaßen, ihr ein beschmutztes Glas zu servieren.

Die Klügere gibt nach. Ich zog es vor, in dieser ungleichen Situation vorerst klein beizugeben und ihr anstelle weiterer trotziger Widerworte lieber ein neues Glas Champagner zu servieren, das ich zuvor allerdings ausgiebig auf Sauberkeit kontrolliert und vorsorglich noch einmal überpoliert hatte. Den sicheren Tresen wieder zwischen uns, wagte ich dann allerdings doch noch eine Erwiderung über ihre in meinen Augen bodenlose Frechheit, während ich mir meine brennenden Pobacken rieb. Ich drohte ihr an, meinen Freund über ihr Vergehen zu informieren und sie anzuzeigen. Doch das quittierte sie nur mit einem weiteren arroganten Lachen und dem Hinweis, das könne ich mir abschminken und meine Rückfahrt sowieso, Ticket hin oder her. Dann trank sie ihren Champagner mit großen Schlucken aus, als sei er einfach nur Wasser und rauschte nach draußen, weil sie anscheinend eine Verabredung in dem Haus im Wald hatte. Mich ließ sie einfach stehen.

Na toll, das war also mein erster Arbeitstag, sozusagen ein voller Erfolg und ein riesiger Schritt in Richtung meiner Rückreise. Da keine weiteren Gäste mehr kamen, machte ich es mir schließlich einfach auf der Terrasse bequem und genoss die milde Sonne auf meiner nackten Haut. Ich glaube, es verwundert niemanden, dass mir erneut Gedanken durch den Kopf gingen, mich doch einfach klammheimlich aus dem Staub zu machen, OHNE meine Mietschulden abzuarbeiten! Da die Fähre aber wohl ausfällt, muss ich mir etwas anderes ausdenken, um von dieser Insel zu fliehen. Aber gestern sah ich ein Segelboot weit draußen, und segeln kann ich ja. Da meist niemand zu sehen ist auf der Insel, habe ich bestimmt gute Chancen damit wegzukommen. Mal sehn!

Tag 5

Da die herrschaftlichen Besitzer dieser Insel und ihre hochfeinen Gäste auch in den nächsten Tagen offensichtlich keinen weiteren Bedarf an meinen Servierdiensten hatten bzw. anscheinend zurzeit überhaupt niemand mehr auf der Insel weilte, nutzte ich die günstige Gelegenheit an einem weiteren einsamen Tag und stromerte Richtung Bootssteg, um das Segelboot einmal genauer in Augenschein zu nehmen, das ich vor einigen Tagen gesehen hatte. Es machte einen ebenso soliden, sehr gut gepflegten Eindruck, wie ja eigentlich alles auf dieser Insel. Es juckte mir förmlich in den Fingern, eine kleine Segeltour zu machen, was ich auch prompt in die Tat umsetzte.

Ach, es war einfach herrlich auf dem Meer. Eigentlich hätte ich mich rundherum so richtig wohl und unbeschwert fühlen können, wäre da nicht die Drohung der einen Lady gewesen, mein Rückfahrtticket wäre nutzlos, da mich der Fährkapitän sowieso nicht zurück zum Festland mitnehmen würde. Diese Aussage saß mir richtig in den Knochen, ließ mich kaum mehr schlafen und vermieste mir letztendlich auch den kurzen Segeltörn. So konnte es einfach nicht weiter gehen. Meine Semesterferien waren fast um, ich musste endlich zurück nach Hause!


Ich fasste daher einen sehr spontanen Entschluss, packte so schnell ich konnte meine paar Habseligkeiten in den Rucksack und machte mich mit dem Segelboot aus dem Staub Richtung englische Küste. Ohje, hoffentlich war das keine zu vorschnelle Entscheidung gewesen, denn kaum war die Insel hinter mir verschwunden, sah ich am Horizont eine Schlechtwetterfront aufziehen..................................

Ende

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